Am Ende der Stillen Post der Künste

Es ist geschafft! Als der Masterstudiengang und die Literaturwerkstatt am 23. Mai 2008 um 20 Uhr zu der Abschlussveranstaltung der „Stillen Post der Künste“ einlud, hatten wir wohl kaum mit einem derart großen Andrang gerechnet: Wer einen Sitzplatz ergattern wollte, musste sich bereits sehr früh einen reservieren. Letztlich saßen die Leute bereitwillig vor der Bühne auf dem Boden und standen hinten am Eingang, um die Premiere der Kunstwerke mitzuerleben.
Die sechs Künstler aus Literatur, Musik und Fotografie, die ursprünglich erst nach und nach mit ihren Werken die Bühne betreten sollten, wurden kurzerhand schon zu Beginn der Veranstaltung auf die Bühne geholt, um noch weitere Sitzplätze zu schaffen. – Schließlich konnte es losgehen:

Für das Publikum, aber vor allem auch für die Künstler, war dieser Abend eine große Premiere: Die Kunstwerke waren über fünf Monate hinweg entstanden. In diesen fünf Monaten arbeiteten die Künstler jeweils anonym und kannten nur das Werk ihres Vorgängers. Gesichter und Kunstwerke wurden nun endgültig gelüftet – die Neugierde war also dementsprechend groß. Auf der Bühne saßen in der Reihenfolge ihres Schaffens: Katja Lange-Müller, Sascha Weidner, Klaus Janek, Ann Cotten, Jonas Maron und Kolja Mensing.

Von der etwas kribbeligen Blattlausgeschichte der Schriftstellerin Katja Lange-Müller, die an einem „Sonntag in Berlin“ spielte, gelangten wir auf der Fotografie von Sascha Weidner an einem Ort zwischen Mikro- und Makrokosmos. Der Kontrabassist Klaus Janek betrachtet das abstrakte Bild als seine Partitur und erklärte eindrücklich und einleuchtend, wie er das Bild in seine Bestandteile aufschlüsselte und in einem Musikstück vertonte. Dieses spielte er daraufhin live vor.
Ann Cotten abstrahierte noch einige Schritte weiter, denn in ihrem Text fand man in Satzwiederholungen nicht nur musikalische Elemente. Es gelang ihr in ihrem Text außerdem eine Metakommunikation über Sprache und die Künste an sich anzusiedeln. Mit diesem Text im Kopf hat sich der Fotograf Jonas Maron auf die Suche nach einem Motiv in Berlin gemacht und eine Straßenszene an der Berliner Friedrichstraße eingefangen. Diese Fotografie bildete die Vorlage für den Schriftsteller Kolja Mensing, dessen Geschichte an einem Montag in der Friedrichstraße ihren Anfang und ihr Ende nahm und insgesamt drei Jahre umfasste.

Nach dem Anfang an einem Sonntag in Berlin sind wir zum Abschluss der „Stillen Post der Künste“ wiederum in Berlin gelandet, jedoch an einem Montag. Zufall? Sicherlich, wenn man die Stationen zwischen dem Urtext und dem Ende betrachtet – aber doch irgendwie ein schöner Zufall. Auf dem Mond ist die Stille Post jedenfalls nicht gelandet…

Nach der Veranstaltung am 23. Mai 2008 folgt nun… ja, was? Erstmal große Erleichterung, dass die Veranstaltung selbst, aber auch die Organisation im Vorfeld so gut geklappt hat. Freude darüber, dass das Projekt bei den Künstlern und die Veranstaltung beim Publikum so gute Resonanz fand. Dankbarkeit, dass wir das Projekt realisieren durften – eine solche Chance ist zweifellos nicht die Regel! -; hier sind nochmal unsere Förderer zu nennen, die Stiftung Preußische Seehandlung, der Berliner Senat für Kultur und unser Master-Studiengang: Vielen herzlichen Dank! Wir können aber auch mit großem Stolz zurückblicken: Unser Projekt, das uns zwei Semester begleitet hatte, erlebte seinen Höhepunkt! Und mit dem Ergebnis können wir doch richtig zufrieden sein!

Antonia

Hier sind übrigens ein paar Links zu Presseresonanzen:

„Hauptsache hybrid“ (Steffen Richter), Tagesspiegel vom 20.05.2008

Interview mit Jörg Thadeusz auf rbb radioeins am 24.05.2008

„Stille Post der Künste“ (Matthias Thiele), Tagesspiegel vom 14.06.2008

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2 Kommentare

Eingeordnet unter Berlin, Fotografie, interdisziplinär, Kultur, Lesungen, Literatur

2 Antworten zu “Am Ende der Stillen Post der Künste

  1. Dorothee Risse

    Etwas verspätet noch ein Kommentar zur Stillen Post: Stolz zu sein, dazu haben Sie nach dem gelungenen und spannenden Abend am 23. Mai in der Literaturwerkstatt wirklich allen Grund!

    Herzlichen Glückwunsch zu der tollen Arbeit, die Sie mit dem Konzept und der aufwändigen Vorbereitung geleistet haben!

    Und vielen Dank, dass Sie dazu beigetragen haben, die Angewandte Literaturwissenschaft im Berliner (und bald Frankfurter) Literaturbetrieb weiter bekannt zu machen! So viel Presseresonanz hatten wir noch nie!

    Schade fand ich nur, dass nicht mehr der Kommiliton/innen gekommen sind, die in die Vorbereitung nicht involviert waren. (Selbst wenn es auch ohne sie voll genug war.)

  2. Ich gratuliere Euch herzlich aus Paris – zwar hat die Medienresonanz Frankreich nicht erreicht, aber dafür ist ja der Blog da… Glückwunsch!! 🙂

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